Gemeint ist dabei ein eigentlich gewerblicher Raum, der von der Kirche angemietet wird, um allerdings kein Geschäft zu betreiben, sondern einen Raum der Begegnung zu schaffen. Ladenkirchen entstehen manchmal in Gebieten, in denen keine kirchlichen Räume vorhanden sind, also oft in Neubaugebieten. In einer Ladenkirche soll ermöglicht werden, dass sich Menschen kennenlernen, dass sie gemeinsam Angebote für ihren Stadtteil gestalten und dabei entdecken, dass der christliche Glaube eine Bedeutung für ihr Leben gewinnen kann.
Kirchenläden liegen meist in unmittelbarer Nachbarschift zu einem Kirchengebäude und ergänzen das Angebot des Kirchenbaus als einem Raum für Stille und Gebet sowie der Versammlung mit dem Angebot von Information über die Kirche. So können dort üblicherweise diverse Schriften über den Kirchenbau und seine Geschichte sowie viele weitere Bücher und Werke mit meist religiösem Bezug erworben werden. Auch ist hier manchmal der (Wieder-)Eintritt in die Institution Kirche möglich. Oftmals findet man Kirchenläden als Teil sogenannter "Citykirchen" in Großstädten.
Ein Kirchenladen stellt also im Gegensatz zu einer Ladenkirche keinen Ersatz für ein traditionelles Kirchengebäude, sondern einen Zusatz zu selbigem dar.
Die ersten Ladenkirchen (Storefront Churches) entstanden in den USA. Oft verwendeten dort afro-amerikanische Christen in der Nach-Sklaverei-Ära normale Ladengeschäfte als Kirchenräume. An solchen Orten feierten sie ihre Gottesdienste zunächst nach ihrer (durch den Bürgerkrieg erreichten) Freilassung aus der Sklaverei in den Südstaaten, und diese Tradition setzten sie auch später gerne fort, als sie in zunehmendem Maße in die Nordstaaten übersiedelten.
Und so war die 1948 im New Yorker Stadtteil Harlem entstandene "East Harlem Protestant Parish" das Vorbild für Pastor Ernst Lange, die erste Ladenkirche in Deutschland im Jahre 1960 als "Experiment Ladenkirche" im Berliner Stadtteil Spandau am Brunsbütteler Damm zu gründen. Das Experiment hielt immerhin vierundvierzig Jahre und wurde erst 2004 aufgegeben. Und auch die zweitälteste Ladenkirche in München-Schwabing brachte es mit ihrer Bestehenszeit von 1967 bis 2009 auf ein ähnliches Alter von zweiundvierzig Jahren. Die weiteren Ladenkirchen in Deutschland sind deutlich jünger: Die Nürnberger Ladenkirche "Lorenzer Laden" existiert seit 1981, das cafeimpuls in Berlin-Pankow seit 1991, und die "Ladenkirche Osterholz" in Wuppertal-Vohwinkel gibt es seit 1998. Alle anderen Ladenkirchen sind erst in diesem Jahrtausend entstanden. Das SENFKoRN ist eine der jüngsten unter ihnen.
Die weitaus meisten Ladenkirchen gehören der evangelischen Kirche an oder sind mit ihr mehr oder weniger eng verbunden, aber auch eine katholische Ladenkirche in Mülheim an der Ruhr ist bekannt, und die Kirche im Vauban wird ökumenisch getragen.
Die folgenden Ladenkirchen gab und gibt es in Deutschland. Wir haben sie nach dem jeweiligen uns bekannten Zeitpunkt ihrer Entstehung geordnet und dabei die ältesten zuerst aufgeführt. Soweit möglich haben wir jeweils einen Link auf die WebSite der Ladenkirche oder deren Träger und auf weitere Dokumente, welche die Einrichtung oder ihre Geschichte beschreiben, gesetzt.
Falls weitere Ladenkirchen
in diese Liste aufgenommen werden können und wollen,
darf man oder frau sich gerne bei
Jürgen Röthig
melden.
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